Farbenfrohe Blütenpracht

Magere Blumenwiesen

Was für ein Anblick: vielerorts können wir uns in diesen Tagen an bunten Blumenwiesen erfreuen, die für eine herrliche Blütenpracht in der Landschaft sorgen. Und das Summen, Brummen und Zirpen, das an schönen Tagen hier zu vernehmen ist, zeigt, dass nicht nur wir Menschen die Wiesen genießen, sondern dass sie auch wertvoller Lebensraum sind.

Besonders extensiv genutzte, nährstoffarme Wiesen gehören zu den ökologisch bedeutsamsten Lebensräumen Deutschlands. Ihre Vielfalt an verschiedenen Pflanzenarten wie Margerite, Wiesenbocksbart, Ackerwitwenblume und Glockenblumen dient vielen Tieren als Lebens- und Nahrungsgrundlage. Blütenbesuchende Insekten wie Schmetterlinge und Bienen, aber auch Heuschrecken finden hier ein Zuhause. Und auch bodenbrütende Vogelarten sind oft auf solche extensiv genutzten Wiesen angewiesen, um ihren Nachwuchs erfolgreich aufzuziehen.

Wiesen können sehr unterschiedlich aussehen. Der Standort hat starken Einfluss auf die vorkommenden Pflanzenarten. Je nach Klima, Höhenlage, Geländeform, Hangneigung und Bodentyp werden verschiedene Arten begünstigt. Auch die Bewirtschaftung beeinflusst die Zusammensetzung der Wiesen.

Intensiv genutzte Wirtschaftswiesen werden meist stark gedüngt und häufig gemäht, um möglichst viel energiereiche Pflanzenmasse zu produzieren. Hier setzen sich wenige, besonders konkurrenzstarke Pflanzenarten durch. Die Blütenvielfalt und das Insektenvorkommen gehen dabei zurück. Im Gegensatz hierzu kann auf Wiesen, die nur mäßig gedüngt und 2 Mal im Jahr gemäht werden, eine reiche Pflanzenvielfalt entstehen. Allerdings ist es für Landwirte oft schwierig, ökologischen Nutzen und Wirtschaftlichkeit miteinander in Einklang zu bringen. Es gibt deswegen verschiedene Förderprogramme, über die eine extensive Wiesenbewirtschaftung finanziell unterstützt wird.

In den letzten Jahrzehnten sind viele blumenbunte Wiesen verschwunden, worunter besonders Insekten leiden. Forscher haben bei Untersuchungen festgestellt, dass im Vergleich zu den 1980er Jahren heute bis zu 80% weniger Insekten vorhanden sind. Dies hat enorme Auswirkungen, denn Insekten dienen vielen Tieren wie Spinnen, Amphibien, Vögeln und Fledermäusen als Nahrungsgrundlage. Aber auch wir Menschen sind direkt vom Insektenrückgang betroffen, da diese bei der Bestäubung von Wild- und auch Nutzpflanzen, wie z.B. Obstbäumen, zum Teil eine bedeutende Rolle spielen.

Und es gibt noch ein weiteres Problem: gerade in den letzten Tagen und Wochen konnte man vielerorts Menschen beobachten, die sich zum Sonnen, Picknicken oder gar Campen auf Wiesen niedergelassen haben. Auch wenn der Wunsch nachvollziehbar ist: Wiesen dürfen nach §44 des Naturschutzgesetzes Baden-Württemberg in der Aufwuchszeit abseits von Wegen nicht betreten werden. Oftmals ist den Erholungssuchenden nicht bewusst, dass hierdurch erhebliche Probleme entstehen. Wiesen sind nicht nur wertvoller Lebensraum, sondern dienen in erster Linie der Produktion von Tierfutter oder Biomasse. Auf einer platt getretenen Wiese wird das Mähen allerdings unmöglich. Deswegen: nehmen Sie Rücksicht auf den Lebensraum und diejenigen, die ihn bewirtschaften und bleiben Sie auf den Wegen. So tragen Sie zum Erhalt der wertvollen Blumenwiesen bei.

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