Mehr als Gras

Maßnahmen im Grünland

Extensiv genutzte magere BlumenwieseQuelle: © Haus der Natur Beuron

Für viele Landwirte ist Grünland unverzichtbarer Bestandteil ihres Betriebes, schließlich wollen Tiere ernährt werden. Doch die in den letzten Jahrzehnten verstärkt stattfindende intensive Nutzung von Grünland mit hoher Nährstoffzufuhr und häufigen Schnitten wirkt sich auf die Artenvielfalt negativ aus. Auf solchen Wiesen wachsen nur wenige, dominante Arten. Und auch Insekten haben es hier schwer: wenig Blüten bedeuten wenig Nahrung und durch das häufige Mähen wird die Wiese für Insekten und andere Tiere oft zur Todesfalle.

Beweidung mit SchafenQuelle: © Haus der Natur

Was wird gemacht?

Maßnahmen, die einen guten Aufwuchs (Art und Menge) des Pflanzenbestandes fördern und zwischen den verschiedenen Weiden des Betriebes variiert werden können sind u.a.

  • ein später Beweidungsbeginn im Jahr
  • kurze Beweidungszeiten mit einem schnellen Umtrieb
  • möglichst lange Ruhezeiten bis zur nächsten Beweidung
  • ein möglichst niedriger Tierbesatz

Das bringt es

Das selektive Fressverhalten der Weidetiere fördert

  • einen heterogenen Pflanzenbestand mit vielen Kräutern
  • schnittempfindliche Pflanzen
  • spätblühende Pflanzen

Extensiv genutzte magere BlumenwieseQuelle: © Haus der Natur Beuron

Was wird gemacht?

Der erste Schnitt und entsprechend dann auch der zweite Schnitt werden möglichst spät durchgeführt.

Das bringt es

  • Erhalt und Förderung der Artenvielfalt im Pflanzenbestand
  • auch bei spätblühenden Pflanzenarten können Samen ausreifen und aussamen
  • Förderung seltener Pflanzenarten der Kulturlandschaft
  • Längerer Erhalt von Nahrungs- und Deckungsräumen für Insekten, Vögel und weitere Arten

Bei der Mahd wird nicht die komplette Wiese auf einmal gemähtQuelle: © Haus der Natur Beuron

Was wird gemacht?

Bei der Mahd wird zeitversetzt geschnitten, entweder in unterschiedlichen Abschnitten innerhalb einer Wiese oder zwischen verschiedenen, räumlich möglichst angrenzenden Wiesen. Ein Wechsel von gemähten und nicht gemähten Flächen entsteht.

Das bringt es

Blütenbesucher und andere Tiere finden über einen längeren Zeitraum Blüten und Pflanzen als Nahrungsquelle, Deckung und Lebensraum und können bei der Mahd in erreichbarer Nähe Ausweichflächen aufsuchen.


Altgrasinseln auf Wiese beim Mähen belassenQuelle: © Haus der Natur Beuron

Was wird gemacht?

Bei der Nutzung und Pflege der Grünlandflächen werden gezielt Bereiche ausgespart und bis ins Spätjahr oder auch bis ins nächste Jahr als Altgrasstreifen oder -inseln stehen gelassen.

Kriterien, nach denen solche Bereiche ausgesucht werden, können z. B. das Vorhandensein besonderer Pflanzen sein aber auch einfach Gründe der Bewirtschaftung. Denn gerade schlecht zu bewirtschaftende Flächen wie Mulden oder besonders steinige Stellen, Bereiche um Landschaftselemente, Randstreifen, Zwickel und ähnliche können ideal als Altgrasstreifen stehen bleiben.

Das bringt es

Erhalt und Förderung der Artenvielfalt im Pflanzenbestand, besonders auch der spätblühenden Pflanzenarten. Außerdem werden Insekten, Vögel, Niederwild und weitere wildlebende Tiere durch Erhalt und Verbesserung von Nahrungs- und Deckungsräume gefördert.


Aussparungen bei der Mahd zum Schutz von SilberdistelnQuelle: © Haus der Natur

Was wird gemacht?

Einzelstandorte mit besonders schützenswerten Pflanzen werden bei der Mahd ganz ausgespart oder erst nach der Ausreifung und Aussamung der Pflanzen gemäht.

Das bringt es

Förderung von seltenen Wildkräutern und anderen Pflanzen wie z. B. Silberdisteln.


Bläuling auf WieseQuelle: © Haus der Natur Beuron

Was wird gemacht?

Verwendung von Mähgeräten und Schnitthöheneinstellungen, die dazu beitragen können, die Verluste von im Gras lebenden Insekten und weiteren Tieren zu reduzieren sowie Brutstätten von Bodenbrütern zu schonen.

Mähgeräte

  • Zum Schutz der Insekten bietet sich das Mähen mit einem Mähbalken an: Die Arbeitsgeschwindigkeit ist relativ langsam, das Gras wird gekappt, die Pflanzen fallen einfach um ohne auf einen Schwad gelegt zu werden → die Insekten werden relativ geschont und können eher entkommen
  • Ein Scheibenmähwerk ist schneller als der Mähbalken, das abgeschnittene Gras wird als leichter Schwad abgelegt; der Aufbau des Mähwerks, die hohe Drehzahl und die Schwadablage erschweren, dass sich die Insekten in Sicherheit bringen können → relativ hohe Verluste bei den Insekten
  • Ein Trommelmähwerk legt das abgeschnittene Gras gezielt in Schwade, die hohe Mähgeschwindigkeit und der Aufbau des Trommelmähwerks verhindern, dass sich die Insekten in Sicherheit bringen können → sehr große Verluste bei den Insekten
  • Schnitthöheneinstellung: die empfohlene Schnitthöheneinstellung zum Schutz von Tieren, Nestern etc. liegt zwischen 8 und 12 cm

Das bringt es

  • Schonung von Insekten wie z. B. Heuschrecken oder Schmetterlingen 
  • Schonung der Nester von bodenbrütenden Vögeln wie Feldlerche, Wiesenpieper und Braunkehlchen
  • Brutvögel können nach der Mahd schneller neue Nester bauen, was die Brutzeit verkürzt
  • Schonung von Amphibien vor Verletzung
  • Nach der Mahd schützt die höhere Vegetation Amphibien und Insekten vor der Austrocknung und gibt Deckung für die Nester von Bodenbrütern; je höher die Schnitthöhe, desto besser ist die Schutzwirkung

Bunte BlumenwieseQuelle: © Haus der Natur Beuron

Was wird gemacht?

Bestehende Grünlandflächen werden durch Aufbringen von lebensraumtypischem Saatgut ökologisch aufgewertet. Konkret geschieht dies durch die Verbreitung von lebensraumtypischen Samen von ökologisch hochwertigen (eigenen oder fremden) Wiesenflächen auf bestehende, aufzuwertende Grünlandflächen indem frisches Mahdgut übertragen wird oder durch gezielte Gewinnung von Saatgut und Ansaat.

Das bringt es

Förderung der lebensraumtypischen Vegetation sowie Förderung von Blütenbesuchern und anderen Tieren durch passendes Nahrungsangebot und Lebensraum.